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Tagebuch eines Gescheiterten - Tag 4

Das schlimmste aller Gefühle ist das Gefühl des erzwungenen Stillstandes. Es erfasst einen nur dann, wenn man glaubt glücklich zu sein und kehrt diesen Irrtum radikal und erbarmungslos ins Gegenteil.

Mir ist bewusst, dass die Menschen den Grund für ihre Melancholie gerne als den schlimmsten aller Gründe nennen. Und so mag es sein, dass auch ich mich in diese lange Reihe der Superlative einreihe, doch werde ich versuchen diese meine Wahl zu begründen.

Nimmt man als Beispiel dir Trauer, die ein Mensch durch Verlust erleidet, so scheint dieses Gefühl den Menschen auszufüllen. Sein ganzes Leben scheint durch dieses Gefühl bestimmt und geleitet. Doch wird man diesem Gefühl, diesem Zustand ohne Zweifel eines Tages entgehen. Entweder man überwindet die Trauer und findet die Freude am Leben wieder, oder man stirbt. Denn der Tod beendet den Zustand der Trauer ganz sicher.

Wählt man ein anderes Beispiel, nämlich das Gefühl der Nutzlosigkeit, welches ohne Zweifel ein schlimmes Gefühl ist, so muss man nach den Ursachen für dieses Gefühl suchen. Nutzlosigkeit kann nur durch einen einzigen Zustand entstehen und dieser Zustand ist der Stillstand. Denn egal in welche Richtung man der Einöde entflieht, die man vielleicht mit Alltag, vielleicht mit Routine bezeichnen mag, es wird von Nutzen sein. Nur für wen und wann ist nicht absehbar.

Man mag nun argumentieren, dass es so etwas wie Routine und Alltag im Grunde nicht gibt. Man mag behaupten, dass man ständiger Veränderung unterworfen ist. Man darf verschiedene Größen wie den Zufall nennen oder behaupten das Leben können nicht in eine Warteschleife gelangen. Doch muss man sich fragen, was diese Phrasen für jemanden bedeuten, der glaubt in genau dieser Warteschleife gefangen zu sein. Denn ich schreibe hier nicht über Realität oder etwas allgemein gültiges. Ich schreibe über ein Gefühl, etwas so unfassbar persönliches, etwas so unglaublich vages ist, dass jede allgemeine Aussage über es leicht anzugreifen und leicht zu verteidigen ist. Im Grunde ist es ein Thema, dass unangreifbar durch seine Angreifbarkeit ist und sich damit hervorragend zum Einstieg handelt.

Nun habe ich allerdings nur gezeigt warum ich das Gefühl der Trauer und das der Nutzlosigkeit nicht als einen Superlativ betrachte und dadurch nicht aufgezeigt, warum ich den erzwungenen Stillstand im ersten Satz zu einem eben solchen gemacht habe.

Um dies zu erreichen möchte ich den erzwungenen Stillstand gerne näher charakterisieren um ihn so zu zeigen, wie er für mich in Erscheinung getreten ist.

Ich teile dem erzwungenen Stillstand zu aller erst, und es ist auch das wichtigste, den Kontrast zu. Genau so, wie man nur klein sein kann, wenn jemand oder etwas anderes größer ist, so kann man den erzwungenen Stillstand nur dann erfahren, wenn man den Fortschritt in etwas anderem als Kontrast erkennt.

Die zweite Charaktereigenschaft wird durch das Adjektiv „erzwungen“ festgelegt. Stillstand kann nur dann als Stillstand bezeichnet werden, wenn man in irgendeiner Richtung zum Halten oder zum Parken gezwungen wird. Jemand, der ohne irgendwelche Zwänge behauptet das Gefühl des Stillstandes quäle ihn ist nichts anderes als ein Heuchler. Denn Faulheit ist eine Ursache des Stillstandes, die man selbst zu bewältigen vermag und über die man sich daher nicht beschweren darf. So darf nur der sich selbst als leidend bezeichnen, der unfähig ist selbst etwas an seiner Situation zu verbessern. Mögliche Ursachen für diese Unfähigkeit sind Verantwortung, Verpflichtungen und Krankheiten.

Als drittes möchte ich die Unterscheidung verschiedener Lebensbereiche anführen. Wenn man in einem bestimmten Bereich seines Lebens zum Stillstand gezwungen wird, dieses bemerkt und bedauert, so kann es sein, dass dieser Schmerz und diese Trauer durch Fortschritt in anderen Bereichen nicht wieder ausgeglichen werden kann.

Es ist fast wie in der Schule. Zuerst bekommt man die Aufgabe auf ein Blatt zu malen was man will. Man kann nichts falsch machen. Dann soll man nur auf einen Teil des Blattes malen was man will, dann werden langsam Farben, Formen und Größen festgeschrieben, bis man in der Lage ist alles andere nahezu perfekt zu kopieren. Und erst wenn man gelernt hat zu Kopieren wird einem Beigebracht das Kopieren zu unterlassen und selbstständig zu denken. Und dann wundert sich ein kleiner Teil darüber warum ein größerer Teil nicht in der Lage ist diese zuerst erlernten Muster abzuschütteln und das glatte Gegenteil zu verinnerlichen.

Man fängt die Menschen in Zwängen und behauptet danach man hat ja noch in bestimmten Bereichen eine Wahl. Wie gering diese Bereiche sind spielt dabei für den Verfechter keine große Rolle.

Der Mensch aber, der das Gefühl des erzwungenen Stillstandes erlebt, ist unfähig andere Bereiche zu erkennen oder diese zu genießen. Man fühlt sich nutzlos, überflüssig und schließlich fehl am Platze. Es ist ein Gefühl, dass einen komplett ausfüllt und für andere Gefühle unsensibel macht.

8.2.11 13:25, kommentieren

Tagebuch eines Gescheiterten - Tag 3

Ich rauche und trinke zu viel, dafür schlafe und esse ich zu wenig. Mein Körper wird es mir irgendwann übel nehmen, doch meiner Seele tut es gut. Sie weiß, dass man so etwas nicht machen sollte. Sie weiß, dass eine gewisse Heilung darin steckt Dinge zu tun, die man nicht machen sollte. Jedenfalls glaubt sie es zu wissen.

Wenn man abends auf dem Balkon sitzt, ein Bier in der Linken, eine Zigarette in der Rechten, tief inhaliert und den Qualm langsam entweichen lässt, dabei den Rauchschwaden beim Überlebenskampf zusieht und einem absolut nichts einfällt worüber man sich beschweren könnte, dann inhaliert man erneut und denkt weiter nach.

Und es dauert nicht lange, bis man einen Grund hat, sich so geben zu können, wie man sich schon lange fühlt.

Erst wenn man mittags in seinen Klamotten vom Vortag aufwacht und einem der Schädel brummt, versucht man sich ein neues Ziel zu setzen, einen kleinen Ansporn, etwas, für das es sich lohnt morgens aufzustehen.

Und erst wenn man am nächsten Tag wieder auf dem Balkon sitzt und seine dritte Zigarette neben dem Aschenbecher ausdrückt, merkt man, dass es nichts genutzt hat und hat wieder einen Grund gefunden seine wahre Natur nicht zu verleugnen.

Diesen Kreislauf nenne ich gerne das halbe Rad der Erkenntnis. Es ist unfähig sich zu drehen und hat so viel Wahrheit in und an sich, dass es saumäßig gefährlich ist. Halbwissen ist viel gefährlicher als Unwissenheit. Das pflegte mein alter Mathelehrer zu sagen. Er hatte verflucht nochmal recht. Man sollte lieber zugeben, dass man keine Ahnung hat, anstatt Dinge beim Namen zu nennen, die man noch nie gesehen hat.

Und genau das möchte ich an dieser Stelle tun. Ich bin ein Dummschwätzer. Ich gebe zu, dass ich hier gefährliches Halbwissen verbreite. Und ich gebe zu, dass dieses Halbwissen, durch dieses Eingeständnis noch gefährlicher geworden ist.

6.2.11 13:03, kommentieren

Tagebuch eines Gescheiterten - Tag 2

Das Leben besteht aus einer Anhäufung von Ablenkungen. Man versucht sich ständig von der Tatsache abzulenken, dass man das Leben in all seiner Vielfältigkeit nicht begreifen und damit nicht beherrschen kann. Das Leben hat uns fest im Schwitzkasten und tritt uns dabei ab und zu in den Arsch. Es macht sich über uns lustig und spielt mal so mal so.

Das einzige was wir tun können ist das, was einem früher von den Eltern beigebracht wurde: Nicht darauf eingehen und hoffen, dass es von alleine irgendwann aufhört.

Und so düster und verzweifelt das jetzt auch klingen mag, es liegt doch ein gewisser Trost in dieser Annahme. Die Annahme, dass wir unfehlbar sind. Wenn man die Verantwortlichkeit abspricht wird man unfehlbar, unangreifbar und unverwundbar.

Indem man das Leben in die Verantwortung nimmt, erlischt ein Teil der eigenen Existenz. Man verliert einen Teil seiner eigenen Identität und kann sich auf eine ekelerregende Art und Weise gehen lassen.

Und genau, weil wir uns mit dieser Art und Weise sich gehen zu lassen nicht identifizieren können versuchen wir uns Tag für Tag abzulenken. Man setzt sich kleine Zwischenziele, damit einem die gesamte Strecke nicht so weit vorkommt. Denn die Länge der Strecke ist niederschmetternd. Es gibt gleichzeitig zu viele Abzweigungen um da anzukommen wo man gerne hin wollte und zu viele Ziele um keins zu erreichen.

In diesem Zwiespalt liegt die Ironie des Ganzen. Wie eine endlose einspurige Autobahn, bei der jede Abfahrt richtig ist. Egal welche Abfahrt man nimmt, man hat unendlich viele richtige verpasst und muss sich immer fragen ob man die richtige richtige genommen hat. Vor lauter zweifeln wendet man an der nächsten Einfahrt und begibt sich wieder auf die Autobahn nur um an der nächsten genommen Ausfahrt zu merken, dass die letzte irgendwie doch besser war. Aber umdrehen ist nicht. Das Leben hasst Geisterfahrer und versieht die vorherige Ausfahrt mit einem großen „Durchfahrt verboten“-Schild.

Und egal wie weit man auf der Autobahn gekommen ist, das Benzin wird einem ausgehen, bevor man gesehen hat, dass die Autobahn an einer großen Klippe endet. Irgendwo zwischen den Zielen verendet das Auto und man selbst. Und während man auf der Suche nach einer Tankstelle immer schwächer wird, wünscht man sich eigentlich nur man wäre bei dieser verdammten ersten Ausfahrt geblieben. Die einem jetzt so perfekt und unwiderstehlich vorkommt. Und während über einem die ersten Geier kreisen und jeder Schritt schwerer als der vorangegangene scheint kämpft man sich mit letzter Kraft die nächste Ausfahrt hinauf nur um dann an einem gelben Schild mit der Aufschrift „Paradies 500m“ zusammenzubrechen.

5.2.11 14:22, kommentieren

Carpe Diem - Oder: Das Gefühl, das wirkt - Einleitung

Ein Leben dauert in der Bundesrepublik Deutschland heutzutage durchschnittlich etwa 78 Jahre. Ein Jahr hat in der Regel 356 Tage. Das sind 356 mal 24 Stunden. In eine Stunde passen 60 Minuten, die jeweils aus 60 Sekunden bestehen. Und jede Sekunde bietet unzählig viele Momente, Möglichkeiten, Chancen und Gedanken.

In jeder einzelnen Sekunde kann man sich für oder gegen etwas entscheiden, Freundschaften schließen und Beziehungen beenden, etwas schaffen oder zerstören. Jede einzelne Sekunde ist kostbar, einzigartig und kommt nicht wieder zurück. Jede einzelne Sekunde bedeutet Glück, selbst wenn wir in ihr Unglück empfinden mögen. Denn egal was nach dem Leben auf sie warten mag, das ewige Leben, die vollkommene Auflösung im Nirvana oder das Nichts, Sie werden diese eine Sekunde nicht wieder erleben, ganz gleich ob Sie wieder geboren werden oder ewig leben. Diese Sekunde, dieser Kurze Augenblick, diese Möglichkeit begegnet Ihnen nie wieder!

Mit der folgenden Sammlung an Texten möchte ich versuchen zu klären ob man darüber glücklich oder unglücklich sein sollte. Ob man den verstrichenen Momenten nachweinen oder die kommenden nutzen sollte, ob es sich überhaupt lohnt zu leben. Die Frage steht hier nicht nach dem Sinn des Lebens, dass möchte ich klar stellen. Die Frage steht hier nach dem Leben. Ich möchte keine philosophischen Schlussfolgerungen schließen, clevere Thesen bilden oder Beweise erbringen. Ich möchte dem Leser nichts erklären, nichts beibringen und nichts aufzwingen. Ich möchte das Gefühl vermitteln, dass einen erreicht wenn man sich bewusst wird, dass man hätte tot sein können. Das Gefühl, dass einem mehr beibringt als zehn Lehrer, hundert Abschlüsse und Tausend Worte. Das Gefühl das wirkt.

1 Kommentar 5.2.11 14:20, kommentieren

Tagebuch eines Gescheiterten - Tag 1

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum letzten Mal glücklich waren? Ich meine so richtig glücklich, rundum glücklich. Ohne auch nur den kleinsten negativen Gedanken, mag er auch noch so flüchtig, unwichtig oder unsinnig sein?

Ich kann es nicht.

Dieser Moment muss, sollte es ihn jemals gegeben haben, irgendwo weit weit in meiner Kindheit zurück liegen. Und dabei liegt diese Kindheit nicht einmal weit zurück. Ich bin erst 20 Jahre alt und kann mich nicht an einen Augenblick erinnern, an dem ich vollkommen glücklich gewesen bin.

Natürlich gab und gibt es zahlreiche Momente, in denen ich fröhlich bin. Es gibt zahlreiche Momente in denen ich lache und in denen man mich durchaus für glücklich halten könnte. Aber es gibt einfach keine Momente, in denen ich nicht an etwas denken könnte, das mich traurig macht, mich deprimiert oder aufregt. Ich habe Existenzangst, Angst vor der Zukunft, Angst vor Morgen. Ich fühle mich allein in einem Raum voller Menschen, in einer Stadt voller einsamer Individuen, die alle ihr kleines unbedeutendes Leben nebeneinander leben. Keiner auf den anderen bedacht oder sich einer Bedeutung bewusst. Keiner bereit darüber nachzudenken vor Angst sich selbst zu finden.

Wahres Glück gibt es nur, wenn überhaupt, in der Kindheit oder vielleicht nach dem Tod. Im Unterbewusstsein der Menschen ist diese Wahrheit längst verankert. Das ist der Grund für Religionen.

Wir hoffen all unsere Sorgen und Nöte mit einem Schlag los zu werden. Wir klammern uns wie besessen an diesen Strohhalm. Und die wenigen, die das durchblickt haben nutzen diese elementare Angst für ihre Zwecke. So war es immer und so wird es wohl auch bleiben.

Der Mensch hat Angst. Und nur so funktioniert diese Gesellschaft. Ohne Angst würde menschliches miteinander nicht funktionieren. Ein Mensch der angstfrei lebt ist nicht zu kontrollieren. Er handelt wie er will. Unmöglich so eine Gesellschaft aufzubauen. Angst ist also notwendig und daher gut. Angst ist natürlich. Sie treibt uns an, motiviert und deprimiert uns zugleich.

Doch wenn man weiter darüber nachdenkt, dann fällt das motivierende irgendwann ab. Ich habe keine Lust mehr mich von Angst motivieren zu lassen. Wofür? Für ein besseres Leben nach dem Tod? Für ein besseres Leben hier auf Erden? Für die Gemeinschaft?

Alles scheiße.

Doch wenn der motivierende Charakter der Angst weg fällt, dann bleibt die Depression zurück. Keine Teilnahmslosigkeit, keine Wut und keine Trauer, sondern reine, unverfälschte, süße Depression.

Und die Depression hat etwas an sich, dass die Angst nicht bieten kann. Sie schafft Geborgenheit und Sicherheit. Sie spendet auf eine ausgesprochen perverse Art und Weise Trost. Und das ist der Grund für die Depression.

Der Depressive ist nach Klaus Dörrer ein „sich und andere niederschlagender Mensch“. Und die wesentliche Ursache für die Depression findet sich in der „depressions-freundlichen“ Lebenswelt der Erwachsenen.

Warum schlägt der Depressive nun auch andere Menschen nieder? Warum ist die Lebenswelt der Erwachsenen depressions-freundlich und steht damit im Gegensatz zu der Lebenswelt eines Kindes?

Andere Menschen zu deprimieren ist deshalb so einfach, weil es so wenig Gründe gibt nicht deprimiert zu sein. Sobald man aufgezeigt bekommt, dass man sich praktisch nur versucht von der Wahrheit abzulenken, ist der Weg zur Depression nicht sehr weit.

Die Lebenswelt der Erwachsenen ist deprssions-freundlich, weil man sich um sich selbst kümmern muss. Sobald man diesen Status erreicht hat, kann man nicht mehr zurück. Ab sofort verbietet einem die Verantwortung das zu tun, wozu man Lust hat. Man ist gefangen in Zwängen, in sozialer Verantwortung und in seinem eigenen Kopf. „Nur in seinen Gedanken ist man frei.“ So ein beschissener Spruch. Wer ist den bitte ein seinen Gedanken frei? Das ist mir wirklich zu kurz gedacht und zeigt mir, dass der Sprücheklopfer eben genau in seinen Gedanken nicht frei ist. Kann man wirklich an alles denken?

Mit Sicherheit nicht. Denken Sie doch mal an ihre Geburt! Oder an die Lieblingsunterwäsche ihrer ersten Freundin! Oder stellen Sie sich vor, wie groß unendlich ist! Hmm..klappt nicht? Fühlen Sie sich gefangen in ihren Gedanken? Wenn dem nicht so ist beglückwünsche ich Sie, denn Sie können genug verdrängen um nicht zu scheitern.

5.2.11 14:17, kommentieren