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Tagebuch eines Gescheiterten - Tag 1

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum letzten Mal glücklich waren? Ich meine so richtig glücklich, rundum glücklich. Ohne auch nur den kleinsten negativen Gedanken, mag er auch noch so flüchtig, unwichtig oder unsinnig sein?

Ich kann es nicht.

Dieser Moment muss, sollte es ihn jemals gegeben haben, irgendwo weit weit in meiner Kindheit zurück liegen. Und dabei liegt diese Kindheit nicht einmal weit zurück. Ich bin erst 20 Jahre alt und kann mich nicht an einen Augenblick erinnern, an dem ich vollkommen glücklich gewesen bin.

Natürlich gab und gibt es zahlreiche Momente, in denen ich fröhlich bin. Es gibt zahlreiche Momente in denen ich lache und in denen man mich durchaus für glücklich halten könnte. Aber es gibt einfach keine Momente, in denen ich nicht an etwas denken könnte, das mich traurig macht, mich deprimiert oder aufregt. Ich habe Existenzangst, Angst vor der Zukunft, Angst vor Morgen. Ich fühle mich allein in einem Raum voller Menschen, in einer Stadt voller einsamer Individuen, die alle ihr kleines unbedeutendes Leben nebeneinander leben. Keiner auf den anderen bedacht oder sich einer Bedeutung bewusst. Keiner bereit darüber nachzudenken vor Angst sich selbst zu finden.

Wahres Glück gibt es nur, wenn überhaupt, in der Kindheit oder vielleicht nach dem Tod. Im Unterbewusstsein der Menschen ist diese Wahrheit längst verankert. Das ist der Grund für Religionen.

Wir hoffen all unsere Sorgen und Nöte mit einem Schlag los zu werden. Wir klammern uns wie besessen an diesen Strohhalm. Und die wenigen, die das durchblickt haben nutzen diese elementare Angst für ihre Zwecke. So war es immer und so wird es wohl auch bleiben.

Der Mensch hat Angst. Und nur so funktioniert diese Gesellschaft. Ohne Angst würde menschliches miteinander nicht funktionieren. Ein Mensch der angstfrei lebt ist nicht zu kontrollieren. Er handelt wie er will. Unmöglich so eine Gesellschaft aufzubauen. Angst ist also notwendig und daher gut. Angst ist natürlich. Sie treibt uns an, motiviert und deprimiert uns zugleich.

Doch wenn man weiter darüber nachdenkt, dann fällt das motivierende irgendwann ab. Ich habe keine Lust mehr mich von Angst motivieren zu lassen. Wofür? Für ein besseres Leben nach dem Tod? Für ein besseres Leben hier auf Erden? Für die Gemeinschaft?

Alles scheiße.

Doch wenn der motivierende Charakter der Angst weg fällt, dann bleibt die Depression zurück. Keine Teilnahmslosigkeit, keine Wut und keine Trauer, sondern reine, unverfälschte, süße Depression.

Und die Depression hat etwas an sich, dass die Angst nicht bieten kann. Sie schafft Geborgenheit und Sicherheit. Sie spendet auf eine ausgesprochen perverse Art und Weise Trost. Und das ist der Grund für die Depression.

Der Depressive ist nach Klaus Dörrer ein „sich und andere niederschlagender Mensch“. Und die wesentliche Ursache für die Depression findet sich in der „depressions-freundlichen“ Lebenswelt der Erwachsenen.

Warum schlägt der Depressive nun auch andere Menschen nieder? Warum ist die Lebenswelt der Erwachsenen depressions-freundlich und steht damit im Gegensatz zu der Lebenswelt eines Kindes?

Andere Menschen zu deprimieren ist deshalb so einfach, weil es so wenig Gründe gibt nicht deprimiert zu sein. Sobald man aufgezeigt bekommt, dass man sich praktisch nur versucht von der Wahrheit abzulenken, ist der Weg zur Depression nicht sehr weit.

Die Lebenswelt der Erwachsenen ist deprssions-freundlich, weil man sich um sich selbst kümmern muss. Sobald man diesen Status erreicht hat, kann man nicht mehr zurück. Ab sofort verbietet einem die Verantwortung das zu tun, wozu man Lust hat. Man ist gefangen in Zwängen, in sozialer Verantwortung und in seinem eigenen Kopf. „Nur in seinen Gedanken ist man frei.“ So ein beschissener Spruch. Wer ist den bitte ein seinen Gedanken frei? Das ist mir wirklich zu kurz gedacht und zeigt mir, dass der Sprücheklopfer eben genau in seinen Gedanken nicht frei ist. Kann man wirklich an alles denken?

Mit Sicherheit nicht. Denken Sie doch mal an ihre Geburt! Oder an die Lieblingsunterwäsche ihrer ersten Freundin! Oder stellen Sie sich vor, wie groß unendlich ist! Hmm..klappt nicht? Fühlen Sie sich gefangen in ihren Gedanken? Wenn dem nicht so ist beglückwünsche ich Sie, denn Sie können genug verdrängen um nicht zu scheitern.

5.2.11 14:17

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